

Die Idee
Aus der Frage „Welche Arbeitsmöglichkeiten können wir für unsere Klienten anbieten und wie können wir deren Fähigkeiten und Interessen fördern und einsetzen, so dass sie als Teil eines sinnvollen Ganzen erscheinen?“, entstand 2007 die Konzeption zur Verwirklichung des Second-Hand-Kaufhauses.

„Arbeit ist für alle Menschen lebenswichtig. Sie sichert einerseits den Lebensunterhalt, andererseits ist sie Plattform für ein sinnerfülltes Leben. Es reicht einfach nicht aus, psychisch erkrankten Menschen Spaziergänge, Ausflüge, Kreativangebote und Kaffeetrinken als alleinige gesundheitsfördernde Tagesstruktur anzubieten. Im Vordergrund steht die klare Rahmenzielsetzung, den meist in Kliniken begonnenen Rehabilitationsprozess fortzusetzen und speziell Alternativen für den Personenkreis zu schaffen, der nach Klinikentlassung zur weiteren Entwicklung seiner Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit einen beschützten Rahmen benötigt. Diese Personen sollten nicht einzig und allein auf die Werkstätten für psychisch Erkrankte verwiesen werden.“
Die Anleitung wird von pädagogischem Betreuungspersonal – einer Heilpädagogin mit sozialpsychiatrischer Zusatzausbildung, einer Heilpraktikerin für Psychotherapie sowie zwei ehrenamtlichen Mitarbeitern – übernommen.

Im Second-Hand-Kaufhaus herrscht ein realistisches Arbeitsumfeld, wodurch kein Unterschied zu üblichen Betrieben entsteht. Der Arbeitsalltag wird durch wirtschaftliches Handeln bestimmt, damit die Eigenfinanzierung weitestgehend gewährleistet bleibt und weitere Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen werden können.
Jeder beschäftigte Mitarbeiter muss in seinem jeweiligen Arbeitsbereich entsprechend seiner individuellen Fähigkeiten zuverlässig und verantwortlich handeln. So findet täglich ein Training der Arbeitsabläufe statt, integriert in die Normalität des Arbeitens. Eingeübt werden unter anderem Pünktlichkeit, soziale Kompetenz im Umgang mit Kollegen und Kunden und vieles mehr. Flexibilität und Einsatzbereitschaft werden von sämtlichen Projektmitarbeitern gefordert. Neben der Ausbildung von Schlüsselkompetenzen sollen die Mitarbeiter den Mut zu kreativem Handeln entwickeln.

Das Arbeitsprojekt verfügt über ein breites Spektrum an Beschäftigungsmöglichkeiten mit unterschiedlichen Beschützungsgraden. Einsatzbereiche liegen im Verkauf und im direkten Kundenkontakt, bei Tätigkeiten im Lager, an der Kasse, am Telefon, im Café und im Büro.
Je nach Belastungsfähigkeit kann der psychisch erkrankte Mitarbeiter stundenweise, halbtags oder ganztags arbeiten. Langfristig soll ein Grad von Selbstständigkeit erreicht werden, der eine kontinuierliche Anleitung und Betreuung am Arbeitsplatz weitgehend überflüssig macht. Der Betrieb soll so normal wie möglich sein: Offiziell gibt es Anleiterinnen, da diese erforderlich sind, inoffiziell gibt es wenige Hierarchien. Die Eigenständigkeit und das Interesse, im Laden zu arbeiten, sollen dadurch gefördert und darüber hinaus die Liebe zur Second-Hand-Philosophie gelebt werden!!
Das Projekt wurde von einer Studentin der Fachhochschule Köln im Rahmen ihrer Masterarbeit begleitet und wissenschaftlich ausgewertet.
